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Polychlorierte Dibenzodioxine und Dibenzofurane
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Polychlorierte Dibenzo-p-dioxine und Dibenzofurane (PCDD/PCDF) sind zwei Gruppen chemisch Ă€hnlich aufgebauter chlorierter organischer Verbindungen. Sie gehören zu den sauerstoffhaltigen Derivaten halogenierter Kohlenwasserstoffe und werden im allgemeinen Sprachgebrauch, teilweise auch in der Literatur, als Dioxine – oder fĂ€lschlich als Dioxin (Singular) – zusammengefasst.

Als persistente organische Schadstoffe werden sie in der Umwelt kaum abgebaut. Spuren polychlorierter Dioxine und Furane kommen ĂŒberall auf der Welt vor. Über die Nahrungskette reichern sich Dioxine in lebenden Organismen, bei Wirbeltieren vor allem in der Leber als dem Entgiftungsorgan der StoffwechselkreislĂ€ufe an. Der Mensch nimmt Dioxine vor allem ĂŒber tierische Nahrungsmittel (Fisch, Fleisch, Eier, Milchprodukte) auf.

Contents

‱ Geschichte
‱ Entstehung
‱ Emissionen
‱ Behandlung
‱ Analytik
‱ Bioassay
‱ Literatur
‱ Weblinks

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Überblick ĂŒber die Gruppe

Die giftigste Einzelverbindung unter den Dioxinen ist das sogenannte „Sevesodioxin“ (2,3,7,8-Tetrachlordibenzodioxin, kurz 2,3,7,8-TCDD). Die akute Giftigkeit der ĂŒbrigen polychlorierten Dibenzodioxine und Dibenzofurane wird relativ zu 2,3,7,8-TCDD angegeben. Polychlorierte Dioxine und Furane können bereits in geringen Mengen die Entstehung von Krebs aus vorgeschĂ€digten Zellen fördern.

Die Mitglieder der beiden Stoffgruppen besitzen entweder ein Dibenzodioxin- (zwei Benzolringe, die ĂŒber zwei SauerstoffbrĂŒcken verknĂŒpft sind) oder ein Dibenzofuran-GrundgerĂŒst (zwei Benzolringe sind ĂŒber ein Sauerstoffatom sowie direkt verbunden; dies entspricht einer zentralen Furan-Einheit). An diese Grundkörper können jeweils bis zu 8 Chloratome gebunden sein. Die Anzahl der Chloratome und ihre Position an den Benzolringen beeinflussen die ToxizitĂ€t, die krebserzeugende Wirkung und die Abbaubarkeit polychlorierter Dibenzodioxine und Dibenzofurane.

| Chloratome | PCDD-Isomere | PCDF-Isomere |
|---|---|---|
| 1 | 0 2 | 00 4 |
| 2 | 10 | 0 16 |
| 3 | 14 | 0 28 |
| 4 | 22 | 0 38 |
| 5 | 14 | 0 28 |
| 6 | 10 | 0 16 |
| 7 | 0 2 | 00 4 |
| 8 | 0 1 | 00 1 |
| Total | 75 | 135 |

„Dioxine“ kommen meist als Gemisch verschiedener halogenierter Dibenzodioxine und Dibenzofurane vor. Dieses Gemisch kann ein bestimmtes HĂ€ufigkeitsmuster (Kongenerenmuster) aufweisen, aus dem sich RĂŒckschlĂŒsse auf die Entstehungsursachen ziehen lassen.

Neben den polychlorierten Dibenzodioxinen und Dibenzofuranen (PCDD/PCDF) gibt es Dioxine, an deren Benzolringe andere Halogenatome gebunden sind. Von Bedeutung sind die polybromierten Dibenzodioxine und -furane (PBDD/PBDF). Dagegen werden polyfluorierte und polyiodierte Dibenzodioxine und Dibenzofurane unter Praxisbedingungen so gut wie nicht gebildet. All diese Verbindungen werden unter dem Oberbegriff polyhalogenierte Dibenzodioxine und Dibenzofurane (PXDD/PXDF) zusammengefasst. BerĂŒcksichtigt man alle denkbaren Kombinationen, umfassen die polychlorierten Dibenzodioxine 75 und die polychlorierten Dibenzofurane 135 verschiedene Einzelstoffe, sogenannte Kongenere. Werden alle möglichen Kombinationen von mit Chlor- und Bromatomen mischhalogenierten Kongeneren mit einbezogen, gibt es 1700 verschiedene Dibenzodioxine und 3320 Dibenzofurane.cite-ref-ballschmiter-bacher-1-0[1]

Schreibweisen

Nach IUPAC wird das GrundgerĂŒst der Dioxine mit Dibenzo[b,e][1,4]dioxin, abgekĂŒrzt Dibenzo-p-dioxin, das der Furane mit Dibenzofuran bezeichnet. Diesen Bezeichnungen werden die Positionen der Chlor- oder Halogenatome (siehe Abbildungen ganz oben), gefolgt von ihrer Anzahl und Art vorgestellt (Beispiel: 1,2,4,6,8,9-Hexachlordibenzo[b,e][1,4]dioxin).

Eine vereinfachte Schreibweise lehnt sich an die IUPAC-Nomenklatur an und kĂŒrzt Dibenzo-p-dioxin mit DD, Dibenzofuran mit DF ab. Das mischhalogenierte 1,3,6,8-Tetrabrom-2,7-dichlordibenzo-p-dioxin wird danach verkĂŒrzt als 1,3,6,8-Br4-2,7-Cl2-DD geschrieben. In der Literatur wird das wegen seiner Giftigkeit besonders interessierende Kongener 2,3,7,8-Cl4DD oft mit 2,3,7,8-TCDD oder TCDD abgekĂŒrzt.

Einem anderen Vorschlag zufolge kann chlorierten Dioxinen (D) und Furanen (F) aufsteigend nach der Anzahl ihrer Chlorsubstituenten eine fortlaufende Nummer zugewiesen werden. Danach wird 2,3,7,8-Cl4DD als D 48, 2,3,7,8-Cl4DF als F 83 bezeichnet. Auch die Gruppen mit gleicher Anzahl an Chloratomen (Homologengruppen) können nach diesem System benannt werden, indem dem D oder F eine Zahl fĂŒr den Chlorierungsgrad nachgestellt wird. Die Gruppe der vierfach chlorierten Dioxine wird so zu D4 (keine Leerstelle), die Gruppe der fĂŒnffach chlorierten Furane zu F5. Dieses System wird gelegentlich zur Beschriftung von Tabellen und Chromatogrammen verwendet.cite-ref-ballschmiter-bacher-1-1[1]

Geschichte

Die erste Synthese von Octachlordibenzodioxin wurde vermutlich 1872 durchgefĂŒhrt. In den 1950er-Jahren wurde nachgewiesen, dass 2,3,7,8-Tetrachlordibenzodioxin Chlorakne verursacht.cite-ref-2[2]cite-ref-lenoir-sandermann-3-0[3]cite-ref-4[4]

WĂ€hrend des Vietnam-Kriegs setzten die StreitkrĂ€fte der Vereinigten Staaten dioxinverunreinigte Entlaubungsmittel wie Agent Orange ein, die bei der vietnamesischen Bevölkerung und bei den eigenen Soldaten zu gesundheitlichen Problemen fĂŒhrten. Berichte ĂŒber eine erhöhte Anzahl an Missbildungen bei Neugeborenen in der vietnamesischen Bevölkerung und bei den Kindern von Vietnam-Veteranen sowie ein erhöhtes Krebsrisiko als Folge der Entlaubungsaktionen sind jedoch in der wissenschaftlichen Literatur umstritten.cite-ref-5[5]cite-ref-6[6] Eine neuere Analyse existierender Studien kam zu dem Schluss, dass elterliche Agent-Orange-Exposition tatsĂ€chlich und dosisabhĂ€ngig kindliche Missbildungen hervorrufe.cite-ref-7[7] Die Auswahl der dort verwendeten Studien wurde kritisiert, da viele davon veraltet seien und kein Peer-Review-Verfahren durchlaufen hĂ€tten. Der Nachweis, dass Dioxin zu angeborenen Missbildungen fĂŒhre, sei mit Ausnahme von Spina bifida und Anenzephalie noch nicht erbracht.cite-ref-8[8]

Massenvergiftungen (Yushƍ-Krankheit) durch mit polychlorierten Dibenzofuranen und PCB belastetes Reisöl traten 1968 in Japan (Yusho) und 1979 in Taiwan (Yucheng) auf.

Mit dem Austritt von 2,3,7,8-Tetrachlordibenzodioxin aus einem Reaktor der Chemiefabrik Icmesa im italienischen Seveso am 10. Juli 1976 (SevesounglĂŒck) erlangte die Stoffgruppe der Dioxine allgemeine Bekanntheit. Ursache fĂŒr das UnglĂŒck war ein durch Überhitzung entstandener Überdruck im Produktionssystem.cite-ref-9[9] Tage nach dem UnglĂŒck starben in der nĂ€heren Umgebung Vögel und Kleintiere. Bei etwa 190 exponierten Personen wurden FĂ€lle von Chlorakne festgestellt. Als Folge des Unfalls mussten die HĂ€user von 40 Familien abgerissen werden.cite-ref-10[10] Nach 25 Jahren wurde bei den Betroffenen ein erhöhtes Sterberisiko an einigen Krebsarten sowie an Diabetes bei Frauen beobachtet, wĂ€hrend sich fĂŒr alle Krebsarten und das Gesamtrisiko bislang kein Anstieg feststellen ließ.cite-ref-11[11]

In den USA erregten die GiftmĂŒllskandale von Love Canal (ab 1978) und Times Beach (ab 1982) großes Aufsehen in den Medien.

Vor 1968 wurden in Deutschland mehr als 400.000 Tonnen Schlacke aus der Kupfergewinnung unter der Handelsbezeichnung Kieselrot als Belag fĂŒr Sport- und SpielplĂ€tze verwendet. Erst 1991 entdeckte man, dass Kieselrot stark mit polychlorierten Dibenzodioxinen und Furanen belastet ist. SportflĂ€chen mit Kieselrot-Deckschicht können bedeutende Dioxinquellen fĂŒr die nĂ€here Umgebung gewesen sein.cite-ref-12[12]

Nach dem Inkrafttreten des Stockholmer Übereinkommens 2004 sind die Emission von PCDD/PCDF in die Umwelt durch die Anwendung der besten verfĂŒgbaren Techniken so weit wie möglich zu verringern oder zu verhindern.cite-ref-13[13]

Im Juni 1998 wurde bei zwei Mitarbeiterinnen des Wiener Textilforschungsinstituts eine schwere Dioxinvergiftung festgestellt, drei weitere Mitarbeiter wiesen erhöhte Dioxinkonzentrationen im Blut auf. Die UmstÀnde des Vorfalls konnten bisher nicht geklÀrt werden.cite-ref-14[14] Im September 2004 wurde der ukrainische Oppositionspolitiker Wiktor Juschtschenko Opfer einer Dioxinvergiftung.

Seit 1980 findet jĂ€hrlich die DIOXIN Conference, ein internationaler wissenschaftlicher Kongress ĂŒber Dioxine und andere langlebige Organohalogene statt.cite-ref-15[15]

Eigenschaften

Dioxin- und Furan-MolekĂŒle sind fast vollkommen planar. Bei den 2,3,7,8-substituierten Dioxinen Ă€hnelt das MolekĂŒl einem flachen, lĂ€nglichen Rechteck mit einer LĂ€nge von 10 Å und einer Breite von 3 Å. Mit Ausnahme der Wasserstoff-Atome ragt beim 2,3,7,8-Cl4DD kein Atom mehr als 0,018 Å aus der MolekĂŒlebene heraus.

Bei Raumtemperatur sind Dioxine farblose, kristalline Feststoffe. Sie sind schwerflĂŒchtig, wobei der SĂ€ttigungsdampfdruck noch weiter zurĂŒckgeht, je mehr Halogenatome im MolekĂŒl enthalten sind. Ihre Löslichkeit in Wasser ist Ă€ußerst gering, sie nimmt mit zunehmendem Halogenierungsgrad ab und steigt mit zunehmender Temperatur an. Dioxine lösen sich einigermaßen gut in organischen Lösungsmitteln wie Benzol, Anisol und Xylol. Sie sind lipophile (fettlösliche) Substanzen und reichern sich aufgrund ihres hohen Octanol-Wasser-Verteilungskoeffizienten (KOW) im Fettgewebe, aber auch in Sedimenten und Böden an.cite-ref-ballschmiter-bacher-1-2[1] Ihre chemische Persistenz, beispielsweise gegenĂŒber SĂ€uren und Basen, ist sehr hoch.cite-ref-lenoir-sandermann-3-1[3]

| | 1-Cl 1 DD | 2-Cl 1 DD | 2,3-Cl 2 DD | 2,3,7,8-Cl 4 DD | Cl 8 DD |
|---|---|---|---|---|---|
| Schmelzpunkt | 105 °C | | 163 °C | 305 °C | 330 °C |
| Siedepunkt | 315 °C | | 358 °C | 447 °C | 510 °C |
| SĂ€ttigungsdampfdruck ĂŒber der unterkĂŒhlten Schmelze (25 °C) | 1,0 · 10 −1 Pa | | 9,3 · 10 −3 Pa | 1,2 · 10 −4 Pa | 2,8 · 10 −7 bzw. 1,2 · 10 −7 Pa |
| Wasserlöslichkeit (25 °C) | | 278.000–318.000 ng/l | | 8–200 bzw. 690 ng/l | 0,074 bzw. 0,4 (20 °C) ng/l |
| log K OW | | 5,00 | 5,60 | 6,80 bzw. 6,64 | 8,20 bzw. 8,60 |

Entstehung

Dioxine werden, außer fĂŒr Forschung und Analytik, nicht gezielt hergestellt. Es gibt keinerlei technische Verwendung von Dioxinen.

Sie entstehen als Nebenprodukte bei einer Vielzahl thermischer Prozesse, bei der Herstellung chlororganischer Chemikalien oder bei beliebigen Oxidationsreaktionen von Kohlenwasserstoffverbindungen in Anwesenheit von Chlorverbindungen (beispielsweise Kochsalz NaCl). So können sich bei der Verbrennung organischer (kohlenstoffhaltiger) Verbindungen in Gegenwart organischer oder anorganischer Chlorverbindungen in einem Temperaturbereich von 300–600 °C („Dioxin-Fenster“, unten begrenzt durch die Assoziation der DioxinmolekĂŒle, oben durch deren Dissoziation) Dioxine bilden.cite-ref-16[16] Verbrennungsprozesse mit möglicher Dioxinbildung sind beispielsweise die Feuerbestattung in Krematorien und die MĂŒllverbrennung, die bis in die 1980er-Jahre eine der Hauptursachen fĂŒr die Dioxinerzeugung war. Durch technische Maßnahmen, beispielsweise den Einbau von Filtern in MĂŒllverbrennungsanlagen und durch Nachverbrennung in den Abgasströmen, kann der Ausstoß von PCDD/PCDF erheblich verringert werden. Allerdings ist die Verbreitung solcher Maßnahmen von Land zu Land unterschiedlich. In Deutschland sind die Immissionen im Bundes-Immissionsschutzgesetz bzw. den resultierenden Verordnungen zur DurchfĂŒhrung des Bundes-Immissionsschutzgesetzes (BImSchV) geregelt. Mit der Verordnung ĂŒber Verbrennungsanlagen fĂŒr AbfĂ€lle und Ă€hnliche brennbare Stoffe und der Verordnung ĂŒber Anlagen zur Feuerbestattung wurden fĂŒr industrielle Verbrennungsanlagen und Krematorien neue Grenzwerte eingefĂŒhrt. GegenĂŒber Emissionen aus privaten Feuerungen ist die Dioxinbelastung aus neu genehmigten Anlagen zur MĂŒllverbrennung bzw. Feuerbestattung deshalb deutlich zurĂŒckgegangen.

Bis Anfang der 1990er-Jahre enthielten auch die Abgase von Benzinmotoren in Kraftfahrzeugen und Flugzeugen polychlorierte (aber auch andere polyhalogenierte) Dibenzodioxine und Dibenzofurane. Grund dafĂŒr waren die den verbleiten Ottokraftstoffen zugesetzten VerflĂŒchtigungszusĂ€tze auf Basis von 1,2-Dichlorethan oder 1,2-Dibromethan, die Bleiablagerungen im Motor („BrĂŒckenbildung“ an den ZĂŒndkerzen) durch die bei der Verbrennung der Bleialkyle entstehenden Bleioxide verhindern sollten. Erst mit der 19. Verordnung zum Bundes-Immissionsschutzgesetz (19. BImSchV) vom 17. Januar 1992 wurde diese Dioxinquelle durch das Verbot der Beimischung von Chlor- und Bromverbindungen als KraftstoffzusĂ€tze beseitigt.

Weitere industrielle Prozesse, bei denen Dioxine entstehen können, sind beispielsweise:

‱ Bleichprozesse mit Chlor in der Papierherstellung
‱ die Herstellung von Pflanzenschutzmitteln
‱ metallurgische Prozesse (zum Beispiel Eisen- und Stahlherstellung)
‱ Herstellung von Chlorphenolen

Kritisch ist vor allem die Hitzeeinwirkung auf polychlorierte Phenole. Besonders leicht kondensieren diese in Gegenwart von Alkali ĂŒber die Phenolate zu Dioxin, wie am Beispiel des Seveso-Giftes 2,3,7,8-TCDD, gebildet aus dem Natriumsalz von 2,4,5-Trichlorphenol (2,4,5-TCP):cite-ref-17[17]

Auch natĂŒrliche Prozesse können zur Bildung von Dioxinen fĂŒhren, zum Beispiel durch Blitzschlag verursachte Wald- oder SteppenbrĂ€nde sowie mikrobielle TĂ€tigkeiten oder VulkanausbrĂŒche. Es wird geschĂ€tzt, dass bei einem Waldbrand etwa 20 ng ToxizitĂ€tsĂ€quivalente an Dioxinen pro kg Biomasse entstehen. Im Vergleich zu den anthropogenen Emissionen tragen natĂŒrliche Quellen nur in geringem Maß zur Dioxinbelastung der Umwelt bei.cite-ref-ballschmiter-bacher-1-4[1]

Beim mikrobiellen Abbau des HolzgerĂŒststoffes Lignin und von HuminsĂ€uren entstehen chlorierte Phenole, welche sowohl unter den Zersetzungsbedingungen als auch im Fall von Feuereinwirkung zu Dioxinen kondensieren können.

Auch bei verschiedenen Haus- und IndustriebrĂ€nden wurden PCDD/PCDF im Brandruß in einem Ausmaß vorgefunden, dass eine aufwendige Sanierung der betroffenen GebĂ€ude notwendig wurde. In diesen FĂ€llen waren Dioxin-VorlĂ€uferverbindungen, wie PCB, oder grĂ¶ĂŸere Mengen anderer potentieller VorlĂ€uferverbindungen, zum Beispiel PVC-KabelhĂŒllen, in der Brandlast vorhanden. AbhĂ€ngig von den Brandbedingungen und Ausgangsmaterialien variierten Konzentration und Kongenerenverteilung der PCDD/PCDF im Ruß.cite-ref-doi10-1007-bf03037761-18-0[18]

Emissionen

Dioxine entweichen aus Anlagen der Metallindustrie, aus MĂŒllverbrennungsanlagen und privaten Kaminen in die Luft. Die Emissionen haben in den letzten Jahren jedoch deutlich abgenommen. Dieser Erfolg ist vor allem auf die verbesserte Abgasreinigung in den MĂŒllverbrennungsanlagen zurĂŒckzufĂŒhren. Die – illegale – Abfallverbrennung im Kamin oder im Garten macht heute den bedeutendsten Anteil der Dioxinemissionen aus. Die wilde Verbrennung von einem Kilogramm Abfall belastet die Umwelt so stark wie die Entsorgung von zehn Tonnen in einer modernen MĂŒllverbrennungsanlage.cite-ref-19[19]

| Prozess | Emissionen | Emissionen | Anteil |
|---|---|---|---|
| | 2004 | 2008 | |
| Metallindustrie und Röst- oder Sinteranlagen fĂŒr Metallerz, Anlagen zur Gewinnung von Eisenmetallen und Nichteisenmetallen | 575 g/Jahr | | 47 % |
| Herstellung und Verarbeitung von Metallen | | 361 g | |
| Organische chemische Grundstoffe | 202 g/Jahr | | 17 % |
| Chemische Industrie | | 6,6 g | |
| Anlagen zur Entsorgung oder Verwertung von gefĂ€hrlichen AbfĂ€llen oder SiedlungsmĂŒll | 178 g/Jahr | | 15 % |
| Abfall- und Abwasserbewirtschaftung | | 52,9 g | |
| Verbrennungsanlagen | 163 g/Jahr | | 13 % |
| Energiesektor | | 661 g | |
| Anlagen zur Herstellung von Zementklinkern, Kalk, Glas, Mineralien oder keramischen Erzeugnissen | 63 g/Jahr | | 5 % |
| Mineral verarbeitende Industrie | | 42,6 g | |
| Sonstiges | 38 g/Jahr | 66,3 g | 3 % |
| Summe | 1219 g/Jahr | 1190,4 g | 100 % |

Das unsachgemĂ€ĂŸe Recycling von ElektrogerĂ€ten kann zu bedeutenden Emissionen von Dioxinen fĂŒhren. In Guiyu, dem grĂ¶ĂŸten Elektronikschrott-Recyclinggebiet von China,cite-ref-22[22] wurden mit bis zu 2765 pg/m3 oder 48,9 pg TEQ/m3 die höchsten je gemessenen Dioxinkonzentrationen in der AtmosphĂ€re festgestellt.cite-ref-23[23]

Emissionsminderung

Wesentliche Maßnahmen zur Minderung von Emissionen von Dioxinen und Furanen sind die thermische Zersetzung bei Temperaturen von ĂŒber 850 °C und einer Verweilzeit von ĂŒber zwei Sekunden sowie die Verhinderung der Neubildung (De-novo-Synthese) im Abgas.cite-ref-q1-24-0[24] Eine weitere PrimĂ€rmaßnahme ist ein möglichst guter Abgasausbrand, wobei die Möglichkeit der Adsorption der Dioxine und Furane an kohlenstoffhaltigen StĂ€uben dadurch eingeschrĂ€nkt wird.cite-ref-q1-24-1[24] Höhere Schwefeldioxidkonzentrationen im Abgas verhindern ebenfalls die Entstehung von Dioxinen und Furanen,cite-ref-q1-24-2[24] sind aber aus Sicht des Immissionsschutzes nicht erwĂŒnscht.

SekundĂ€rmaßnahmen zur Minderung von Emissionen von Dioxinen und Furanen zielen auf ihre Zerstörung bzw. Ausschleusung aus dem Abgas ab. Katalysatorencite-ref-25[25] und katalytisch wirkende OberflĂ€chenfiltercite-ref-26[26] werden fĂŒr die Zerstörung von Dioxinen eingesetzt. Die Abtrennung aus dem Abgas erfolgt mittels Adsorptionsmitteln.cite-ref-27[27] und durch Staubabscheidung.cite-ref-q1-24-3[24]

GaswĂ€scher sind zur Abscheidung von Dioxinen und Furanen bestenfalls bedingt geeignet. Aus Kunststoff bestehende WĂ€scherkomponenten und Dichtungen können durch Adsorption und Desorption zur Verschleppung von Dioxinen und Furanen fĂŒhren; eine dauerhafte Abscheidung findet nicht statt.cite-ref-28[28] Befinden sich GaswĂ€scher in einer mehrstufigen Abgasreinigungsanlage, so mĂŒssen bei AnfahrvorgĂ€ngen die Einrichtungen zur Minderungen von Dioxinen und Furanen bereits in Betrieb sein.cite-ref-29[29]

Umweltverhalten

Dioxine sind persistent (langlebig) und werden hauptsĂ€chlich ĂŒber den Luftpfad, gebunden an Staubpartikel, in der Umwelt verteilt. Sie sind ubiquitĂ€r nachzuweisen, kommen also ĂŒberall auf der Welt in Böden, GewĂ€ssern, Sedimenten, Pflanzen, Tieren, Menschen etc. vor.

Der Eintrag von Dioxinen und Furanen in die AtmosphĂ€re erfolgt in erster Linie mit dem Rauch von Verbrennungsprozessen. Daneben spielt die Verdampfung von an Böden angelagerten (adsorbierten) oder im Wasser gelösten MolekĂŒlen eine Rolle. Über die AtmosphĂ€re werden Dioxine und Furane großflĂ€chig verteilt (Ferntransport), so dass sie selbst in Umweltproben aus entlegenen Regionen gefunden werden können. Niedrig halogenierte Dioxine kommen in der AtmosphĂ€re ĂŒberwiegend in der Gasphase vor, höher halogenierte sind zum grĂ¶ĂŸten Teil an Aerosol-Partikel gebunden. Das MengenverhĂ€ltnis von gasförmigen zu partikelgebundenen MolekĂŒlen wird fĂŒr die Cl4DF mit 13, fĂŒr Cl8DF mit 0,05 angegeben.

Ein Abbau in der AtmosphĂ€re findet lediglich bei gasförmig vorliegenden Dioxinen und Furanen statt. Durch UV-Strahlen kommt es zur direkten Photolyse, daneben sind auch Reaktionen mit Hydroxyl-Radikalen von Bedeutung. Den atmosphĂ€rischen Abbaureaktionen unterliegen vor allem an den peri-Positionen (1,4,6,9) substituierte PCDD sowie an Position 1 und 9 substituierte PCDF. Mit zunehmendem Halogenierungsgrad sinkt dagegen die AnfĂ€lligkeit fĂŒr diese Abbaumechanismen.

Als Austragsweg aus der AtmosphĂ€re ĂŒberwiegt die trockene Deposition durch Absetzen (Fall Out) von Partikeln gegenĂŒber der nassen Deposition etwa im VerhĂ€ltnis 5:1. Bei der nassen Deposition ĂŒberwiegt das Ausregnen (Particle Scavenging) gegenĂŒber dem Auswaschen (Gas Scavenging).

In GewĂ€sser gelangen Dioxine und Furane vor allem durch Deposition aus der AtmosphĂ€re und mit dem Abwasser. Als lipophile Verbindungen lagern sie sich zu einem großen Teil an im Wasser gelöste Kolloide wie Huminstoffe, an im Wasser schwebende (suspendierte) organische Partikel oder die lipophile Kahmhaut auf dem Wasser an. Frei im Wasser gelöste PCDD/PCDF können sich in die AtmosphĂ€re verflĂŒchtigen, unmittelbar an der WasseroberflĂ€che findet ein Abbau durch Photolyse statt. An Partikel gebundene Dioxine und Furane werden zum grĂ¶ĂŸten Teil in den Sedimenten abgelagert. Anhand von zeitlichen Trends der Konzentrationen in datierten Sedimentkernen können RĂŒckschlĂŒsse auf historische Emissionen gemacht werden. Allerdings muss beachtet werden, dass sich die Kongenerenmuster durch verschiedene Abbauprozesse (z. B. reduktive Dehalogenierung) verĂ€ndern können. Der Anteil von niedrig chlorierten PCDD/PCDF kann daher ĂŒber lĂ€ngere ZeitrĂ€ume zunehmen. Trotzdem kann aufgrund der vor dem Jahr 1900 dominierenden niedrig chlorierten PCDD geschlossen werden, dass in dieser Zeit der Eintrag durch die Dimerisierung von 2,4-Dichlorphenol groß war. Seit etwa den 1960er-Jahren sind die EintrĂ€ge von PCDD und PCDF in das Esthwaite Water in Nordengland rĂŒcklĂ€ufig (siehe Grafiken rechts).cite-ref-30[30] Dies ist vor allem auf technische Maßnahmen in der Industrie und bei der MĂŒllverbrennung zurĂŒckzufĂŒhren.

Die Belastung des Bodens geht ĂŒberwiegend auf atmosphĂ€rische Deposition zurĂŒck, auf Wiesen und Feldern können daneben das Ausbringen von KlĂ€rschlamm oder Pflanzenschutzmitteln beigetragen haben. Dioxine und Furane adsorbieren an die organische Bodensubstanz und werden dort weitgehend zurĂŒckgehalten. Sie sind vor allem in den obersten fĂŒnf Zentimetern anzutreffen, eine Verlagerung in die Tiefe findet wegen der geringen Wasserlöslichkeit kaum statt. Böden sind neben den Sedimenten die wichtigste Senke fĂŒr PCDD/PCDF. Die Halbwertszeiten im Boden liegen im Bereich von Jahren bis Jahrzehnten. Austrags- oder Abbauprozesse, wie etwa VerflĂŒchtigung, Photolyse an der BodenoberflĂ€che, Abbau durch Mikroorganismen und Pilze oder die Aufnahme in Pflanzen verlaufen sehr langsam. Der Dehalococcoides-Stamm CBDB1 baute in Laborversuchen beispielsweise in 56 Tagen 60 % von 1,2,3-Trichlordibenzodioxin zu 2-Monochlordibenzodioxin ab, was in der Umwelt jedoch nicht erreicht wird.cite-ref-31[31] Durch Bodenerosion können adsorbierte Dioxine in nennenswertem Umfang ausgetragen werden.

In oder auf Pflanzen gelangen Dioxine und Furane hauptsĂ€chlich ĂŒber die Luft, durch Diffusion aus der Gasphase oder die bereits erwĂ€hnten Mechanismen der trockenen und nassen Deposition. Sie befinden sich hauptsĂ€chlich in den BlĂ€ttern und Nadeln. Pflanzenfressende Tiere nehmen Dioxine ĂŒber das Futter auf. Da sie dabei oft geringe Mengen der meist stĂ€rker als die Pflanzen belasteten Bodenpartikel mitfressen, kann das merklich zur Gesamtaufnahme beitragen. Dioxine und Furane werden ĂŒberwiegend in Leber und Fettgewebe eingelagert und reichern sich im Verlauf der Nahrungskette immer stĂ€rker an. Im Wasser sind gelöste oder an Schwebstoffe gebundene Dioxine besonders gut fĂŒr Kleinlebewesen verfĂŒgbar, daher reichern sie sich dort ĂŒber die Nahrungsketten stark an.cite-ref-ballschmiter-bacher-1-5[1]

Belastung von einzelnen Lebensmitteln und Muttermilch

HĂŒhner in Freilandhaltung nehmen Dioxine und Furane hauptsĂ€chlich durch das Aufpicken von Bodenpartikeln auf. In den Eiern kommen diese Substanzen aufgrund ihrer Fettlöslichkeit ĂŒberwiegend im Eidotter vor, das zu einem Drittel aus Fett besteht. Seit Januar 2005 gilt fĂŒr Eier EU-weit ein Dioxin-Grenzwert von 3 pg TEQ Dioxinen/g Fett oder 6 pg TEQ/g Fett fĂŒr Dioxine und dioxinĂ€hnliche PCB. Bei Stichproben waren Eier von HĂŒhnern in Freilandhaltung meist stĂ€rker mit Dioxinen belastet als Eier aus Boden- oder KĂ€fighaltung. Die Grenzwerte werden bei Freilandhaltung gelegentlich ĂŒberschritten.cite-ref-32[32]cite-ref-33[33]

Daneben können Nutztiere Dioxine durch verunreinigte Futtermittel aufnehmen. So mussten im Mai 2010 in Deutschland mehrere Legehennenbetriebe geschlossen werden, nachdem kontaminierter Mais zu Biofutter verarbeitet wurde.cite-ref-34[34] Im Dezember 2010 wurden erneut belastete Proben von Eiern und GeflĂŒgelfleisch gefunden.cite-ref-35[35] Als Quelle der Dioxinkontamination erwies sich der Futtermittelproduzent Harles und Jentzsch, der fĂŒr die Herstellung von Tierfutterfetten technische Fette aus der Biodieselproduktion verwendet hatte. Nach SchĂ€tzungen der Bundesregierung wurden bis zu 3000 Tonnen belastetes Tierfutterfett hergestellt und an Legehennen, Mastschweine und MastgeflĂŒgel verfĂŒttert.cite-ref-36[36]

In der EU werden die Höchstmengen an Dioxinen – alleine und in Kombination mit Polychlorierte Biphenylen (PCB) – in Lebensmitteln durch die Verordnung (EG) Nr. 1881/2006 geregelt. Die jeweiligen Höchstgrenzen hĂ€ngen dabei vom Erzeugnis ab und orientieren sich auch daran, was durch gute Herstellungspraxis oder gute landwirtschaftliche Praxis erreichbar ist. Die niedrigsten Grenzwerte fĂŒr Dioxine und dioxinĂ€hnliche PCBs (ausgedrĂŒckt als WHO-ToxitizitĂ€tsĂ€quivalentsfaktoren, WHO-TEF) gibt es mit 0,1 pg/kg (Dioxine), bzw. 0,2 pg/kg (Dioxine und dioxinĂ€hnliche PCB) in Lebensmitteln fĂŒr SĂ€uglinge und Kleinkinder. Die höchsten zulĂ€ssigen Grenzwerte gibt es mit 5,0 pg/kg Fett (Dioxine), bzw. 10,0 pg/kg Fett (Dioxine und dioxinĂ€hnliche PCB) fĂŒr Pferde- und Wildschweinfleisch.cite-ref-eu-1881-37-0[37]

Fische sind oft stark mit Dioxinen belastet, das gilt insbesondere fĂŒr Fische mit einem hohen Fettgehalt. Besonders hĂ€ufig werden die EU-Grenzwerte (4 pg TEQ Dioxine/g Frischgewicht oder 8 pg TEQ der Summe aus Dioxinen und dioxinĂ€hnlichen PCB) bei Fischen aus dem Ostseegebiet ĂŒberschritten. In Schweden und Finnland gilt eine Ausnahmeregelung, nach der Lachs, Hering, Flussneunauge, Bachforelle, Saiblinge sowie Rogen der Kleinen MarĂ€ne in den Verkehr gebracht werden dĂŒrfen, selbst wenn sie die Dioxingrenzwerte der EU ĂŒberschreiten. Die Verbraucher mĂŒssen ĂŒber das damit verbundene Gesundheitsrisiko informiert werden. Außerdem muss sichergestellt werden, dass die Ware nicht in andere LĂ€nder gelangt.cite-ref-eu-1881-37-1[37]

Da Dioxine sehr lipophil (fettlöslich) sind, reichern sie sich bei Menschen und Tieren insbesondere im Fettgewebe an. Als Indikator fĂŒr die Dioxin-Belastung von Menschen wird hĂ€ufig Muttermilch untersucht,cite-ref-brune-38-0[38] da sich aufgrund des hohen Fettgehaltes Dioxine darin anreichern und Proben leicht zu bekommen sind. Der Nachweis von Dioxinen in Muttermilch gelang schwedischen Wissenschaftlern erstmals 1984, die Kieler Bundesanstalt fĂŒr Milchforschung stellte 1985 fest, dass in Muttermilch die Dioxin-Richtwerte fĂŒr Kuhmilch hĂ€ufig ĂŒberschritten wurden. Es wurde empfohlen, SĂ€uglinge nicht lĂ€nger als ein halbes Jahr zu stillen.cite-ref-b-schen-39-0[39] Bedingt durch gesetzliche Regelungen und daraus resultierende technische Maßnahmen ist in Mitteleuropa die Gesamtbelastung durch Dioxine deutlich zurĂŒckgegangen.

1988 betrug in urbanen Gegenden der EU die durchschnittliche Belastung von Muttermilch mit PCDD/PCDF 29,5 pg I-TEQ pro Gramm Milchfett. Bis 1993 sank die Belastung um ein Drittel auf 19,2 pg I-TEQ pro Gramm Milchfett.cite-ref-40[40] Das Bundesinstitut fĂŒr Risikobewertung (BfR) hat fĂŒr Deutschland noch neuere Daten veröffentlicht: Danach lag in Deutschland 1986 der durchschnittliche Dioxingehalt noch bei 35,7 pg und sank bis zum Jahr 2009 auf 6,3 pg WHO-PCDD/F-TEQ/g Milchfett. Obwohl auch dieser Wert fĂŒr SĂ€uglinge den von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) berechneten tĂ€glichen Aufnahmewert (TDI) ĂŒberschreitet, raten WHO, BfR und die Nationale Stillkommission ohne EinschrĂ€nkungen zum Stillen. Gleichzeitig empfiehlt die Stillkommission, den Schadstoffgehalt der Muttermilch weiter zu verringern.cite-ref-41[41]

Toxikologie

Aufnahme und Stoffwechsel

Da Dioxine allgegenwĂ€rtig sind, lĂ€sst sich ihre Aufnahme nicht vermeiden. Beim Menschen erfolgt die Aufnahme von Dioxinen zu 90–95 % ĂŒber die Nahrung,cite-ref-uba-42-0[42] besonders ĂŒber fetthaltige tierische Lebensmittel wie Milchprodukte, Fleisch und Fisch, aber auch GemĂŒse.cite-ref-43[43] In der Schweiz werden nahezu zwei Drittel dieser Aufnahme (PCB inbegriffen) ĂŒber den Verzehr von Milchprodukten und Fleisch aufgenommen.cite-ref-bag-44-0[44] In Schweden betrĂ€gt die Aufnahme durch die Nahrung rund 100 pg I-TEQ/Tag, wovon die HĂ€lfte auf den Verzehr von Fisch und MeeresfrĂŒchten zurĂŒckzufĂŒhren ist.cite-ref-45[45] Die durchschnittliche Dioxin-Aufnahme von US-Amerikanern liegt heute mit etwa 1 pg TEQ/kg Körpergewicht und Tag in derselben GrĂ¶ĂŸenordnung. SĂ€uglinge nehmen im Schnitt tĂ€glich 35–53 pg TEQ/kg Körpergewicht auf. Dank einer höheren Ausscheidungsrate und durch ihr Wachstum sind die Dioxin-Gehalte im Gewebe von SĂ€uglingen aber nur etwa dreimal höher als bei Erwachsenen.cite-ref-schecter-birnbaum-46-0[46]

Dioxine können ĂŒber die Lunge aufgenommen werden, insbesondere wenn sie an Feinstaub gebunden sind. Aus der Luft nehmen Menschen tĂ€glich normalerweise 2–6 pg I-TEQ auf, etwa 5 % der Gesamtaufnahme. Beim Rauchen einer Zigarette entstehen etwa 0,1 pg I-TEQ PCDD/PCDF, weshalb starke Raucher ĂŒber die Lunge etwas mehr resorbieren. Eine Aufnahme ĂŒber die Haut ist zwar möglich, sie spielt aber nur bei außergewöhnlich hoher Dioxinbelastung eine Rolle.cite-ref-ballschmiter-bacher-1-6[1]

Im Körper werden aufgenommene Dioxine und Furane an die Lipide und Lipoproteine des Blutes angelagert und weiterverteilt. Sie reichern sich vor allem im Fettgewebe und in der Leber an. Beim Menschen enthĂ€lt das Fettgewebe etwa 30 ng I-TEQ/kg. Im Fett eingelagerte Dioxine sind biologisch inaktiv, sie werden erst beim Abbau des Fetts wieder freigesetzt. Das ist insbesondere fĂŒr die Belastung von SĂ€uglingen ĂŒber die Muttermilch von Bedeutung.

Die Metabolisierung von Dioxinen in der Leber geschieht durch reduktive Dehalogenierung oder als Hydroxylierung durch den Cytochrom-P450-Enzymkomplex. Über epoxidische Zwischenstufen werden Halogenatome abgespalten und Hydroxygruppen in das DioxinmolekĂŒl eingebracht. An einen Hydroxyrest kann in einem weiteren Schritt beispielsweise GlucuronsĂ€ure angehĂ€ngt werden. Die Abbaurate ist bei den 2,3,7,8-substituierten Kongeneren am geringsten, wodurch ihr relativer Anteil im Körper steigt. Kongenere mit drei und mehr Halogenatomen je Phenylring werden ebenfalls kaum abgebaut. Metabolisierte und unmetabolisierte Dioxine werden mit dem Kot ausgeschieden. Die biologischen Halbwertszeiten können von Art zu Art stark unterschiedlich sein, so betragen sie fĂŒr 2,3,7,8-Cl4DD bei der Ratte 17–31 Tage, beim Menschen 6–10 Jahre.cite-ref-ballschmiter-bacher-1-7[1]

Empfehlungen und Grenzwerte

Die Festlegung von Höchstgehalten orientiert sich nicht direkt an der ToxizitĂ€t, sondern „im Wesentlichen an der nicht vermeidbaren Belastung der Lebensmittel durch Dioxine aus der Umwelt, der so genannten Hintergrundbelastung“.cite-ref-47[47]

Aufgrund von Tierversuchen wurden NOAEL-Werte ermittelt, aus denen verschiedene Staaten und Organisationen unter BerĂŒcksichtigung eines Sicherheitsfaktors Empfehlungen fĂŒr die tolerierbare tĂ€gliche Aufnahme (TDI) von Dioxinen hergeleitet haben. Die Weltgesundheitsorganisation empfahl 1991 eine TDI von 1 bis 10 pg I-TEQ/kg Körpergewicht und Tag,cite-ref-ballschmiter-bacher-1-8[1] 1998 wurde die empfohlene TDI auf 1–4 pg I-TEQ/kg gesenkt. Ein im Auftrag der EU-Kommission tĂ€tiger Ausschuss veröffentlichte 2001 eine tolerierbare wöchentliche Aufnahme (TWI) von 14 pg TEQ/kg, was der gesenkten WHO-TDI entspricht.cite-ref-48[48] In Deutschland entspricht die Aufnahme von Dioxinen der zulĂ€ssigen Aufnahme: Das Bundesinstitut fĂŒr Risikobewertung geht von „einer tĂ€glichen Aufnahme von 1–2 Picogramm WHO-PCDD/F-PCB-TEQ pro kg Körpergewicht ĂŒber die Nahrung aus“.cite-ref-49[49]

Seit 2006 sind in der EU die Grenzwerte in einzelnen Lebensmitteln sowohl als ToxizitĂ€tsĂ€quivalente Dioxine wie auch fĂŒr die Summe der TEQ aus Dioxinen und dioxinĂ€hnlichen PCB festgelegt. Die Grenzwerte gelten pro Gramm Fettanteil (bei Fisch pro Gramm Muskelfleisch) und betragen demnach seit 2012:cite-ref-eu-1259-2011-50-0[50]

‱ 1 pg bei Schweinefleisch
‱ 1,75 pg bei GeflĂŒgel
‱ 2,5 pg bei Milchprodukten, HĂŒhnereiern, Rindern und Schafen
‱ 3,5 pg bei Fisch
‱ 4,5 pg bei Leber

Bei einem Fettanteil im Eigelb von 32 % und einem angenommenen Dottergewicht von 30 g dĂŒrfte man also mit fĂŒnf Eiern bis zu 125 pg Dioxin aufnehmen – ebenso wie mit knapp 40 g Fisch.

Akute ToxizitÀt

Polychlorierte Dibenzodioxine und -furane sind sehr giftig, das 2,3,7,8-TCDD wird teilweise als „die giftigste vom Menschen hergestellte Verbindung“ bezeichnet.cite-ref-schecter-birnbaum-46-1[46] Bei MĂ€usen betrĂ€gt die Dosis, bei der 50 % der Tiere sterben (sogenannte LD50) etwa 100 ”g 2,3,7,8-TCDD/kg Körpergewicht. Allerdings kann die Giftwirkung von TCDD selbst fĂŒr nahe verwandte Tiere stark unterschiedlich sein, beim Hamster wirken erst etwa 1.000 ”g/kg tödlich, wĂ€hrend es fĂŒr Meerschweinchen mit etwa 1 ”g/kg extrem giftig ist. FĂŒr den Menschen ist die tödliche Grenzdosis nicht bekannt, sie liegt aber deutlich höher als beim Meerschweinchen.cite-ref-schecter-birnbaum-46-2[46] Bei dem Chemieunfall im italienischen Seveso 1976 starben durch das ausgetretene 2,3,7,8-Tetrachlordibenzo-p-dioxin (seitdem „Sevesodioxin“ genannt) nur Vögel und Kleintiere. Bei etwa 190 Menschen wurde Chlorakne, eine schwere Form von chronischer Akne, festgestellt, die bei akuter Dioxinvergiftung auftreten kann. Die Konzentrationen von Sevesodioxin im Blutserum betrugen bis zu 56 ppb.cite-ref-51[51] Der bisher höchste Wert von 144 ppb wurde im Blutfett einer Frau in Österreich gemessen.cite-ref-52[52] Bei Wiktor Juschtschenko wurde eine Konzentration von 100 ppb festgestellt.cite-ref-53[53]

Die toxische Wirkung von Dioxinen beruht auf ihrer Bindung an ein in Tieren und Menschen weit verbreitetes Zellprotein, den Arylhydrocarbonrezeptor (AhR). Das Dioxin bindet in der Zelle an diesen Rezeptor, der Enzym-Substrat-Komplex lagert sich an die DNA an und löst damit die verstÀrkte Bildung von fremdstoffabbauenden Enzymen, insbesondere von Cytochrom-P450-Monooxygenasen aus. Die StÀrke der Bindung und damit die ToxizitÀt hÀngt von dem jeweiligen Dioxin- oder Furan-Kongener (Anzahl und Stellung der Halogenatome) ab. Die Neigung zur Bindung an den Ah-Rezeptor ist bei den 2,3,7,8-substituierten Dioxinen und Furanen am höchsten.

Als weitere Wirkmechanismen der Dioxine und Furane wurden ihre Bindung an den Rezeptor fĂŒr den epidermalen Wachstumsfaktor (EGF), ihre agonistische Wirkung fĂŒr SchilddrĂŒsenhormone und Auswirkungen auf den Vitamin-A-Stoffwechsel diskutiert.

Beim Menschen ist die Chlorakne das Leitsymptom schwerer akuter Dioxinvergiftungen. Sie wird durch Hautkontakt mit Dioxinen oder durch Dioxin-Konzentrationen im Blutserum von mehr als 800 ng/kg ausgelöst. Durch SchĂ€digung der Leber wird der Stoffwechsel gestört, wodurch die Gehalte an Lipiden, Cholesterin und Transaminasen im Blut ansteigen. Im Tierversuch fĂŒhren Dioxine und Furane zu anhaltender Übelkeit, Erbrechen und Appetitlosigkeit. Es kommt zu starkem Gewichtsverlust, dem „Wasting-Syndrom“. An neurologischen Störungen können sie unter anderem Übelkeit, Schlafstörungen, Kopfschmerzen, Reizbarkeit, Depressionen und eine allgemeine VerĂ€nderung der Psyche verursachen. Bei höheren Dosen können ĂŒber VerĂ€nderungen der SchilddrĂŒse immuntoxische Effekte ausgelöst werden, wofĂŒr Menschen weniger anfĂ€llig zu sein scheinen als einige SĂ€ugetiere.cite-ref-ballschmiter-bacher-1-9[1]

Chronische ToxizitÀt

Zur chronischen ToxizitĂ€t geringerer PCDD/PCDF-Konzentrationen gehört ihre fetotoxische und fruchtschĂ€digende (teratogene) Wirkung. Bei der Maus fĂŒhren bereits sehr niedrige Dosierungen von 1 ng/kg Körpergewicht/Tag zur Bildung von Gaumenspalten oder SchĂ€den an Niere und SchilddrĂŒse. Bei Affen traten bei dieser Dosierung keine fruchtschĂ€digenden Wirkungen auf, allerdings war die Zahl der Fehlgeburten erhöht. Ein Anstieg der Konzentrationen bestimmter Enzyme (Enzyminduktion) durch Binden an den Ah-Rezeptor ist bei Nagetieren schon bei geringer Dosis möglich. Dioxine und Furane haben keine direkte gentoxische Wirkung. Sie können die Entstehung von Krebs aus einer vorgeschĂ€digten Zelle beschleunigen (tumorpromovierende Wirkung). Das 2,3,7,8-TCDD gilt als eine der am stĂ€rksten tumorpromovierenden Substanzen ĂŒberhaupt. Bei Ratten können Dioxine Leberkrebs, aber auch Karzinome in Lunge, SchilddrĂŒse und Nebenniere auslösen. Ob Dioxine beim Menschen Krebs auslösen können, ist nicht abschließend gesichert. Verschiedene Studien fanden bei stark exponierten Personen ein erhöhtes Auftreten von LeukĂ€mie, Tumoren der Atmungsorgane und der Gallenblase sowie des Weichteilsarkoms. FĂŒr eine statistisch abgesicherte Aussage waren die Fallzahlen der einzelnen Studien zu klein, außerdem wurden die Einwirkung anderer Chemikalien und des Rauchens nicht berĂŒcksichtigt.cite-ref-ballschmiter-bacher-1-10[1] Fachgremien der Weltgesundheitsorganisation (WHO), der amerikanischen Gesundheitsbehörden und der US-Umweltbehörde EPA stufen 2,3,7,8-TCDD als fĂŒr Menschen krebserregend ein.cite-ref-schecter-birnbaum-46-3[46] JĂŒngste Untersuchungen an Eiern von Wachteln (Coturnix japonica), Fasanen und Weißen Leghorn-HĂŒhnern belegen die sehr unterschiedliche speziesabhĂ€ngige ToxizitĂ€t von TCDD, 2,3,4,7,8-Pentachlordibenzofuran (PeCDF) und TCDF.cite-ref-54[54]

ToxizitÀtsÀquivalente

Da die Giftigkeit der einzelnen Dioxin- und Furan-Kongenere unterschiedlich ist, wurde zur besseren AbschĂ€tzung der GefĂ€hrlichkeit von „Dioxingemischen“ das System der ToxizitĂ€tsĂ€quivalente (TEQ) eingefĂŒhrt. Das Konzept wurde in den 1980er-Jahren entwickelt, um die Belastung eines nach einem Transformatorenbrand mit PCDD, PCDF und PCB verseuchten New Yorker BĂŒrogebĂ€udes einschĂ€tzen zu können.cite-ref-schecter-birnbaum-46-4[46] Die ToxizitĂ€t des 2,3,7,8-TCDD, der giftigsten Verbindung unter den polychlorierten Dibenzodioxinen, wird dabei willkĂŒrlich als 1 gesetzt. Die ĂŒbrigen Kongenere erhalten, abhĂ€ngig von ihrer ToxizitĂ€t und dem angewandten Berechnungsmodell ToxizitĂ€tsĂ€quivalenzfaktoren (TEF) zwischen 0,0001 und 1. Ein Dioxin/Furan mit einem ToxizitĂ€tsĂ€quivalent von 0,5 wird als halb so giftig angesehen wie das 2,3,7,8-TCDD.

| Kongener | BGA 1985 [ 55 ] | NATO (I-TEF) 1988 [ 56 ] | WHO 1998 [ 37 ] | WHO 2005 [ 57 ] | WHO 2022 [ 58 ] |
|---|---|---|---|---|---|
| 2,3,7,8-Cl 4 DD | 1 | 1 | 1 | 1 | 1 |
| 1,2,3,7,8-Cl 5 DD | 0,1 | 0,5 | 1 | 1 | 0,4 |
| 1,2,3,4,7,8-Cl 6 DD | 0,1 | 0,1 | 0,1 | 0,1 | 0,09 |
| 1,2,3,6,7,8-Cl 6 DD | 0,1 | 0,1 | 0,1 | 0,1 | 0,07 |
| 1,2,3,7,8,9-Cl 6 DD | 0,1 | 0,1 | 0,1 | 0,1 | 0,05 |
| 1,2,3,4,6,7,8-Cl 7 DD | 0,01 | 0,01 | 0,01 | 0,01 | 0,05 |
| Cl 8 DD | 0,001 | 0,001 | 0,0001 | 0,0003 | 0,001 |
| 2,3,7,8-Cl 4 DF | 0,1 | 0,1 | 0,1 | 0,1 | 0,07 |
| 1,2,3,7,8-Cl 5 DF | k. A. | 0,05 | 0,05 | 0,03 | 0,01 |
| 2,3,4,7,8-Cl 5 DF | 0,01 | 0,5 | 0,5 | 0,3 | 0,1 |
| 1,2,3,4,7,8-Cl 6 DF | 0,01 | 0,1 | 0,1 | 0,1 | 0,3 |
| 1,2,3,6,7,8-Cl 6 DF | 0,01 | 0,1 | 0,1 | 0,1 | 0,09 |
| 1,2,3,7,8,9-Cl 6 DF | 0,01 | 0,1 | 0,1 | 0,1 | 0,2 |
| 2,3,4,6,7,8-Cl 6 DF | 0,01 | 0,1 | 0,1 | 0,1 | 0,1 |
| 1,2,3,4,6,7,8-Cl 7 DF | 0,01 | 0,01 | 0,01 | 0,01 | 0,02 |
| 1,2,3,4,7,8,9-Cl 7 DF | 0,01 | 0,01 | 0,01 | 0,01 | 0,1 |
| andere Cl 7 DF | 0,001 | 0 | 0 | 0 | 0 |
| Cl 8 DF | 0,001 | 0,001 | 0,0001 | 0,0003 | 0,002 |
| andere PCDD und PCDF | 0,01 | 0 | 0 | 0 | 0 |

Der Gesamt-TEQ-Wert eines Dioxine-Furane-Gemisches errechnet sich durch Multiplizieren der Konzentrationen der einzelnen PCDD- oder PCDF-Kongenere mit ihrem ToxizitÀtsÀquivalenzfaktor (TEF). Die so erhaltenen Werte werden zum TEQ-Wert aufsummiert.

Historisch existieren unterschiedliche ToxizitĂ€tsĂ€quivalenzfaktoren. Die Werte der NATO-Forschungsgruppe Committee on the Challenges of Modern Society (I-TEF) sind am Weitesten verbreitet und zum Beispiel in der EuropĂ€ischen Union zur Berechnung von Dioxinen und Furanen aus MĂŒllverbrennungsanlagen und MĂŒll mitverbrennenden Anlagen vorgeschrieben.cite-ref-59[59] In Deutschland sind Dioxine und Furane auch bei Kraftwerken mit I-TEF-Werten zu bestimmen, wenn die Kraftwerke feste oder flĂŒssige Brennstoffe einsetzen.cite-ref-60[60]

Das Bundesinstitut fĂŒr Risikobewertung warnte vor eine Übernahme der WHO-TEF von 2005, da diesen keine neuen toxikologischen Erkenntnisse zugrunde liegen und die Absenkung mehrerer Faktoren zur Folge hĂ€tte, dass bei unverĂ€ndertem Grenzwert eine höhere Dioxine- und Furane-Menge in Lebensmitteln zulĂ€ssig wĂ€re. Außerdem wĂ€re eine Vergleichbarkeit von Messwerten mit historischen Messreihen nicht mehr gegeben.cite-ref-61[61] Seit 2012 beziehen sich die Höchstgehalte in Lebensmitteln auf die WHO-TEF von 2005, wobei die TEQ angepasst wurden.cite-ref-eu-1259-2011-50-1[50]

Das System der ToxizitĂ€tsĂ€quivalente wird nur fĂŒr PCDD/PCDF sowie fĂŒr einige PCB angewendet, die dem 2,3,7,8-TCDD stereochemisch Ă€hneln (“dioxin-like”, dl-PCBs). Bei bromhaltigen oder gemischthalogenierten Kongeneren gibt es noch zu wenig Daten fĂŒr ihre Einstufung. Von ihrer Giftigkeit her sind sie mit den chlorierten Dioxinen und Furanen vergleichbar. Sie zĂ€hlen zu den dioxin-like compounds (DLC), also den dioxin-Ă€hnlichen Verbindungen, fĂŒr die vorlĂ€ufig eine Relative Potenz (REP) die GefĂ€hrlichkeit im VerhĂ€ltnis zu 2,3,7,8-TCDD angibt. Zu den DLC werden unter anderem auch Vertreter der Polychlorierten Naphthalene (PCN), methylsubstituierten PCDD/PCDF oder polycyclischen aromatischen Kohlenwasserstoffe (PAK) gezĂ€hlt.cite-ref-62[62]

Bei biologischen Proben werden fĂŒr die Berechnung des TEQ meist nur die 2,3,7,8-substituierten PCDD/PCDF (17 Kongenere) berĂŒcksichtigt.cite-ref-63[63] Bei den internationalen Berechnungsverfahren werden teilweise zusĂ€tzlich die nicht nachweisbaren Kongenere mit dem Wert ihrer halben Nachweisgrenze berĂŒcksichtigt und der Gesamtwert als ITEQ(œ NWG) angegeben. Neben der Angabe der Konzentration in TEQ wird auch eine andere Bestimmungsmethode verwendet, bei der die Gesamtsumme aller nachgewiesenen vier- bis achtfach chlorierten Dioxine und Furane berechnet wird. Bei beiden Berechnungen (TEQ und Gesamtsummen) werden die ein- bis dreifach chlorierten Dioxine und Furane nicht berĂŒcksichtigt, da ihr toxikologischer Wirkungsmechanismus nicht mit dem der höher chlorierten Dioxine vergleichbar ist. In der Regel werden diese Verbindungen deshalb nicht bestimmt.cite-ref-ballschmiter-bacher-1-11[1]

Eine Studie der EuropĂ€ischen Kommission ĂŒber Verbesserungen der Richtlinie zur Verbrennung und Mitverbrennung von Abfall (2000/76/EG) hat im Jahr 2007 empfohlen:cite-ref-64[64]

‱ eine Messvorschrift fĂŒr dioxin-Ă€hnliche PCB einzufĂŒhren, um aus den Ergebnissen einen geeigneten Grenzwert abzuleiten;
‱ eine einheitliche Vorschrift zur Einbeziehung von Messwerten einzufĂŒhren, die unterhalb der Bestimmungsgrenze liegen;
‱ eine Umstellung von I-TEF (1988) auf WHO-TEF (2005) zu prĂŒfen, unter der Voraussetzung, dass die Berechnungsfaktoren stets angegeben werden mĂŒssen und unter BerĂŒcksichtigung der daraus resultierenden niedrigeren Messwerte sowie der nicht mehr gegebenen Vergleichbarkeit mit frĂŒheren Messwerten.

Die EuropĂ€ische Kommission hat im Jahr 2010 bei ÜberfĂŒhrung der Abfallverbrennungs- und Abfallmitverbrennungsrichtlinie in die Industrieemissionsrichtlinie (2010/75/EU) keine Änderungen der bisherigen Vorschrift zur Anwendung der NATO (I-TEF)-Werte vorgenommen. Der deutsche Bundesrat hat an Stelle der bisher gĂŒltigen NATO (I-TEF)-Werte am 14. Dezember 2012 vorgeschlagen, kĂŒnftig in Kraftwerken, MĂŒllverbrennungsanlagen und MĂŒll mitverbrennenden Zement- und Kalkwerken die WHO-TEF 2005 sowie die Faktoren fĂŒr zwölf dioxinĂ€hnliche PCB einzufĂŒhren.cite-ref-65[65]cite-ref-burat-protokoll-66-0[66]

Behandlung

Bei einer akuten Vergiftung ist keine Möglichkeit zur raschen Entgiftung bekannt.cite-ref-67[67] Wegen der Einlagerung im Fettgewebe des Körpers können sie selbst durch BlutwĂ€sche nicht oder nur langsam ausgeschieden werden. Auch fĂŒr die in der medizinischen Literatur vorgeschlagene Gabe von Paraffin-Öl und medizinischem Alkohol gibt es bislang keinen Erfolgsbeweis, jedoch lassen neuere Erkenntnisse sowie Vergleiche mit anderen Schadstoffen und Giften diesen Ansatz erfolgversprechend erscheinen. Eine erfolgreiche Therapie wĂ€re demnach durch das Verabreichen bestimmter Fettersatzstoffe möglich, wie z. B. Olestra. Diese Fettersatzstoffe werden vom Darm nicht aufgenommen, lösen aber bei der Darmpassage einen Teil der im Körper vorhandenen Dioxine, die mit ausgeschieden werden.cite-ref-68[68]

Daten und Messprogramme

Das Umweltbundesamt (UBA) betreibt in Zusammenarbeit mit dem Bundesinstitut fĂŒr Risikobewertung (BfR) und dem Bundesamt fĂŒr Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) die Dioxin-Datenbank des Bundes und der LĂ€nder.cite-ref-69[69] Die Messprogramme werden in Kompartimente unterteilt, die sich in die folgenden Kategorien gliedern lassen: Boden, Luft, Biota, Wasser, Abfall, Lebensmittel und Humanproben. Es sind – soweit möglich – kompartiment- und standortbezogen Aussagen ĂŒber den aktuellen Belastungszustand von „Material“ mit Dioxinen und PCB zu treffen. Auch in Österreich (Kuhmilchcite-ref-uba-42-1[42]) und der Schweiz (Bodencite-ref-70[70]cite-ref-71[71]) wurden in den letzten Jahren Messprogramme durchgefĂŒhrt. Zwischen 2004 und 2007 wurde von den AlpenlĂ€ndern Deutschland, Italien, Österreich und Slowenien und der Schweiz das EU-Projekt MONARPOP (MOnitoring Network in the Alpine Region for Persistent and other Organic Pollutants) durchgefĂŒhrt. Dabei wurden fĂŒr PCDD/PCDF sowie weitere Substanzen aus dem Dreckigen Dutzend die Langstreckenverfrachtung in entlegene alpine Regionen, die vorrangigen Quellgebiete, das Ausmaß der Belastung im Alpenraum und die in BergwĂ€ldern akkumulierten Lager sowie die biologischen Wirkungen der gemessenen Belastungen untersucht.cite-ref-72[72]cite-ref-73[73]

Polychlorierte Dibenzodioxine und Dibenzofurane sind als „prioritĂ€rer gefĂ€hrlicher Stoff“ in Anhang X der europĂ€ischen Richtlinie 2000/60/EG (Wasserrahmenrichtlinie) aufgefĂŒhrt.cite-ref-74[74]

Analytik

Die spurenanalytische Bestimmung der Dioxine ist aufwĂ€ndig und wird von spezialisierten Analyselaboren durchgefĂŒhrt.cite-ref-75[75] Probenahme und Aufarbeitung hĂ€ngen von der Art der untersuchten Probe ab. Der Dioxingehalt kann in Lebensmitteln und Futtermitteln aber auch in Luft, Abgas, Asche, Wasser, KlĂ€rschlamm, Boden, Pflanzen, Blut, Fettgewebe, und Textilien bestimmt werden. Die EU-Verordnungen 278/2012 (Tierfutter)cite-ref-76[76] und 252/2012 (Lebensmittel)cite-ref-77[77] beschreiben die aufwendige spurenanalytische Bestimmung der Dioxine. Hier wird zwischen zwei Analyseverfahren unterschieden. Zum einen kann die klassisch angewendete Kapillar-Gaschromatographie durchgefĂŒhrt werden. Die Untersuchung mit dieser Methode dauerte frĂŒher in der Regel zwischen 2 und 3 Wochen und war dementsprechend hochpreisig. Heute betrĂ€gt die Bearbeitungszeit in Routinelabors ca. 2–3 Arbeitstage. Der Preis der Analytik ist aufgrund der Methodenoptimierung deutlich gesunken und liegt in der GrĂ¶ĂŸenordnung zwischen 250 und 450 €/Probe. Etwas gĂŒnstiger ist das Screening-Verfahren mittels Bioassays, das allerdings nicht zwischen den einzelnen Kongeneren unterscheiden kann. Positive Proben aus dem Bioassay-Screening mĂŒssen daher stets nochmals mit einem Referenzverfahren bestĂ€tigt werden.

Gaschromatographie

Bei der Probenvorbereitung und Extraktion fĂŒr die Gaschromatographie wird zwischen den Verfahren der FlĂŒssig/FlĂŒssig-Verteilung und der Fest/FlĂŒssig-Extraktion unterschieden. FĂŒr die Letztere wurde lange Zeit die Soxhlet-Extraktion verwendet. In den vergangenen Jahren gewann die Extraktion mit ĂŒberkritischen Fluiden (SFE) an Bedeutung. FĂŒr die Dioxin-Extraktion wird vor allem Kohlendioxid oder Lachgas bei DrĂŒcken von mehreren hundert Bar verwendet.

Um mitextrahierte Substanzen abzutrennen, die bei der weiteren Analyse stören wĂŒrden, ist vor der eigentlichen Bestimmung oft eine Matrixabtrennung (Clean-Up) notwendig. Dazu kann der Extrakt mit Hilfe einer FlĂŒssigchromatographie-SĂ€ule gereinigt werden, auch die Gel-Permeations-Chromatographie wird hierzu angewandt. Mit Hilfe der Kapillar-Gaschromatographie können die einzelnen Kongenere der PCDD und PCDF voneinander getrennt werden. Diese mĂŒssen anschließend mit den jeweiligen ToxizitĂ€tsĂ€quivalenzfaktoren (TEF) multipliziert werden, um die Gesamtbelastung der Probe bewerten zu können. Zur Detektion wird standardmĂ€ĂŸig ein Massenspektrometer eingesetzt. Vorzugsweise sollten zur zuverlĂ€ssigen Identifizierung hochauflösende Massenspektrometer verwendet werden.cite-ref-78[78] Auch Ionenfallensysteme, die im MS/MS-Modus arbeiten, können verlĂ€ssliche Informationen liefern.cite-ref-79[79] In jedem Fall ist eine Zertifizierung der Laboranalytik durch regelmĂ€ĂŸige Teilnahme an Ringversuchen zur QualitĂ€tssicherung erforderlich. Lediglich bei ersten orientierenden Übersichtsanalysen können auch Elektroneneinfangdetektoren (ECD) oder Flammenionisationsdetektoren (FID) zum Einsatz kommen. Zur sicheren Quantifizierung werden hĂ€ufig isotopenmarkierte 13C-Dioxin-Kongenere als interne Standards verwendet. Sie werden den Proben möglichst frĂŒhzeitig im Aufarbeitungsgang in einer bekannten Menge beigemischt, durchlaufen die weitere Aufarbeitung und erscheinen gleichzeitig mit den zu analysierenden Dioxinen im Chromatogramm.cite-ref-ballschmiter-bacher-1-12[1]

Bioassay

Dabei handelt es sich um einen zellbasierten in-vitro-Test, wie z. B. der sogenannte CALUXÂź-Assay. CALUX steht fĂŒr chemically activated luciferase gene expression.cite-ref-80[80] Dieser Assay beruht auf eine Ah-Rezeptor (aromatic hydrocarbon) vermittelte Expression eines Luciferase-Genes in gentechnisch verĂ€nderten Ratten-Hepatomzellen.cite-ref-81[81] Gelangen Dioxine oder dioxinĂ€hnliche Substanzen in die Zelle, so binden diese an den Ah-Rezeptor. Dieser Komplex wandert in den Zellkern und bindet dort an die DNA. Dies ermöglicht das Ablesen des Luciferase-Genes und somit die Bildung der Luciferase. Nach Zugabe des Substrates Luciferin beginnen die Zellen zu leuchten. Stark toxische Verbindungen, wie das 2,3,7,8-Tetrachlordibenzodioxin (TCDD) binden stĂ€rker an den Rezeptor und lösen damit auch eine stĂ€rkere Zellantwort aus. Die mit einem Luminometer gemessene LichtintensitĂ€t ist demnach direkt der ToxizitĂ€t der in der Probe enthaltenen Dioxinen parallel. Da der Bioassay spezifisch auf Dioxine/Furane und dioxinĂ€hnliche PCB reagiert, ist eine aufwĂ€ndige Probenvorbereitung nicht notwendig. Zumeist wird eine einfache FlĂŒssig/FlĂŒssig-Extraktion mit hydrophoben Lösungsmitteln und eine anschließende Festphasenextraktion durchgefĂŒhrt. Positive Tests bedĂŒrfen stets der BestĂ€tigung ĂŒber ein anerkanntes Referenzverfahren (z. B. HR-GC-MS, GC-MS/MS).

Literatur

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Weblinks

Commons

: Polychlorierte Dibenzodioxine

– Sammlung von Bildern

Commons

: Polychlorierte Dibenzofurane

– Sammlung von Bildern

‱ POP-Dioxin-Datenbank des Bundes und der LĂ€nder
‱ Immissionskataster: Dioxine und Furane
‱ Bundesinstitut fĂŒr Risikobewertung: Dioxine Übersicht ĂŒber verschiedene aktuelle Stellungnahmen zum Thema Dioxine
‱ Umweltbundesamt: Dioxine – Daten aus Deutschland (2007, PDF, 1,1 MiB)
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Einzelnachweise

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